Bilderbuch-Startup ProductHunt

06.10.2014

Die einfachsten Ideen sind oft die besten. Das demonstriert derzeit ProductHunt, eine tägliche Liste der besten Produkte.

Der feine Unterschied

Normalerweise stelle ich auf dieser Seite keine Startups vor. Aber ProductHunt hat mich vor zwei Tagen derart fasziniert, dass ich eine Ausnahme mache. Einfach weil ProductHunt für vieles steht, was mich an neueren Online-Startups fasziniert. ProductHunt basiert auf einem unfassbar simplen Ansatz, der schon hunderte Male ganz ähnlich realisert und nur ein kleines bisschen rekombiniert und neu gedacht wurde. Und dieser kleine, feine Unterschied macht aus einem altbekannten Konzept plötzlich ein neues, faszinierendes Produkt. Peng.

ProductHunt - Ein simples tägliches Ranking der besten Produkte

Die täglichen Best-Offs

ProductHunt ist eine kuratierte, täglich neu erstellte und von den Usern gerankte Liste mit "Produkten" aller Art. Ein Produkt-Eintrag besteht aus einem Link, einem Titel und einem beschreibenden Satz. Jeder Eintrag wird von einer handverlesenen Gruppe (2% der User) kuratiert, pro Tag werden bis zu 40 Produkte freigeschaltet. Anschließend kann jeder Nutzer den Eintrag hochranken. That’s it.

ProductHunt wird meist mit HackerNews und Reddit verglichen, und tatsächlich war der "Show HN"-Bereich von Hacker-News die Vorlage für die Idee. ProductHunt setzt jedoch seinen Schwerpunkt auf kuratierte Einträge und eine daraus generierte tägliche Top-Liste. Die Diskussionen und Kommentare werden in einem Popup versteckt. Zudem legt ProductHunt sehr viel Wert auf Design, Usability und Community: Nutzer erscheinen mit Bild und Profil, die von einem Nutzer hochgerankten Produkte werden im Profil angezeigt (taugt also auch für das Bookmarking) und es fehlt zum Glück die ab und zu etwas aggressive und ausgrenzende Stimmung von HackerNews.

ProductHunt - Ein simples tägliches Ranking der besten Produkte

Der Unterschied zu bestehenden Konzepten ist derart fein, dass eine Formulierung fasst schwer fällt: Es ist die Fokussierung und Reduzierung auf Produkte, die Sortierung nach den "Daily-Best", der Community-Charakter und die sehr nutzerfreundliche Gestaltung. Spürbar wird der Unterschied bei der parallelen Nutzung von HackerNews und ProductHunt jedoch sofort: HackerNews wirkt anonym, das Design ist abschreckend, die Liste chaotisch, die eigenen Rankings schwer zu finden. Über den Innovationsgrad von ProductHunt kann man sich zwar streiten. Ich halte es aber für eine inspirierende Leistung, aus einem derart durchgekauten Konzept immer noch etwas Trefferendes zu entwickeln. Möglicherweise ist das nicht minder schwer, als eine völlige Neuentwicklung. Wer weiß, wie vielen guten Ideen wir jeden Tag begegnen, wenn wir sie nur ein Stückchen weiter denken?

Von der E-Mail-Liste zum Startup

Neben der Demonstration, dass sich ein gutes Produkt oft nur in kleinen, aber entscheidenden Nuancen von bestehenden Produkten unterscheiden muss, gleicht auch die Umsetzung von ProductHunt einem Bilderbuch-Startup: Das Projekt hat mit einer einfachen kuratierten E-Mail-Liste angefangen. Ein Minimal Viable Product (MVP) zum Null-Tarif. Nachdem viele VCs und Startups aus dem Valley die Mailing-Liste abonniert hatten, wurde ProductHunt in wenigen Tagen als Web-Projekt umgesetzt. Seitdem wächst es dramatisch, weil es auf der einen Seite von Startups zum Pushen ihrer Produkte genutzt wird, auf der anderen Seite aber auch von sehr vielen Investoren und Tech-Journalisten gelesen wird. Kein Wunder, dass ProductHunt selbst dann auch recht schnell die erste Millionen an Investoren-Geldern eingesammelt hat. Wer sich für die Hintergründe von ProductHunt interessiert, findet hier Informationen zur Entstehung (TechCrunch), zum Gründer und seiner Idee (Gawker) und zur Funktionsweise (BusinessInsider).

Curation doch nicht tot?

Auch ProductHunt gehört zum Curation-Bereich, in dem ich vor Jahren schon mit dem MyTweetMag-Konzept mein Glück versucht habe. Bekanntlich hat Pinterest in dem Bereich das Rennen gemacht und andere Tools wie ScoopIt und Co hinter sich gelassen. Ich dachte eigentlich, der Bereich wäre inzwischen tot. Bei genauerem Hinsehen scheint mir in dem Segment jedoch noch einiges möglich zu sein. Ein nettes Konzept verfolgt beispielsweise Agile Designers: Eine einfache kuratierte Liste mit Tools und Infos für Designer und Entwickler. Solche Konzepte beschränken sich auf eine kleine Zielgruppe, sind relativ leicht zu realisieren und versuchen nicht gleich, die ganze Welt umzukrempeln. Also auch ein ideales Feld gerade für Solopreneure. Mal sehen, ich hab noch die ein oder andere Idee zum Überarbeiten in der Schublade, nur leider fehlt meist die nötige Zeit…

Wenn du ein Web-Projekt von A-Z erstellen willst, findest du im Themenüberblick viele Artikel zu jedem Schritt.