Mit komoot auf Madeira: Das Smartphone ist kein Rettungsseil

28.02.2016

Outdoor-Apps sind für mich zwar unverzichtbar. Ab und zu führen unvollständige Daten aber auch geradewegs in den Abgrund.

Auch wenn ich mit Komoot nicht in jeder Hinsicht glücklich bin, bleibt die App dennoch mein treuer Begleiter bei Fahrrad-Touren und Wanderungen. Vor allem die Planung klappt mit Komoot ausgezeichnet, während das Auffinden von guten und geprüften Wanderwegen so rein garnicht funktioniert. Entsprechend hat mir ein Wandererlebnis auf Madeira einmal mehr gezeigt, dass man sich zumindest bei Wanderungen im bergigen Gelände niemals auf nur eine App verlassen sollte (bzw. grundsätzlich nie nur auf Apps und digitalen Helfern).

Rentner-Glück mit Abgründen

Die portugisische Atlantik-Insel Madeira gilt als Rentner-Hochburg und Wander-Paradies. Berühmt sind vor allem die Wanderwege entlang der Levadas: Levadas sind Wasserleitungs-Systeme, die von bedauernswerten Sklaven in die Berge gehauen worden sind. Davon gibt es etwa 200 auf Madeira.

Wandern, Rentner und Atlantik-Insel klingt nicht unbedingt nach Abenteuer, und meine ersten beiden Wanderungen haben dieses Vorurteil auch sofort bestätigt: Die erste Levada-Wanderung war völlig unspektakulär und die Wanderung auf den zweithöchsten Berg von Madeira (immerhin über 1.800 Meter) verlief am Gipfel über eine (Achtung!!) … Straße. Der Ausblick war allerdings grandios: Das unter dem Berg liegende "Tal der Nonnen" könnte leicht der Geburtsort von King Kong und Godzilla sein. Zusätzlich lag in dem Tal auch noch ein verschlafenes Dorf, das als eine der großen Touristen-Attraktionen Madeiras gilt.

Die "einfache Wanderung" über den Levada Do Curral

Umso erfreuter war ich über einen Levada-Wanderweg, der direkt von der Hauptstadt Funchal in eben dieses Tal führte. Und laut Komoot war der Weg zwar aufgrund der Länge mittelschwer, von der Beschaffenheit aber einfach: "Leicht begehbare Wege. Kein besonderes Können erforderlich". Für einen etwas tiefer gelegenen, parallel verlaufenden Levada gab es dagegen einen Gefahrenhinweis.

Zu meinem großen Glück hatte ich mir noch eine spezielle lokale Levada-App heruntergeladen, auf der diese Touren erstaunlicherweise überhaupt nicht aufgeführt waren. Und zu meinem großen Glück bin ich skeptisch geworden und habe dann etwas mehr über diesen Levada und Levadas insgesamt gegoogelt. Von daher war ich auf das vorbereitet, was ich jetzt mal als kurz kommentierte Bilderstrecke zeige.

Man muss dazu sagen, dass ich in der Vergangenheit unter starker Höhenangst gelitten habe und seit einigen Jahren die Höhenangst mit Bergwanderungen recht gut in den Griff bekomme. Dadurch kenne ich meine Grenzen auch sehr gut.

Landschaftsbild, Levada Do Curral, Madeira

Der Levada beginnt direkt am größten Einkaufszentrum im Westen von Funchal und führt erst einmal durch zersiedeltes Gebiet bzw. entlang von Straßenmauern.

Landschaftsbild, Levada Do Curral, Madeira

Relativ schnell wird es dann verwildert mit wirklich traumhaften Ausblicken in das Tal. Eine Sicherung wäre an solchen Stellen auch für meinen Geschmack übertrieben.

Landschaftsbild, Levada Do Curral, Madeira

Hier war meine größte Sorge, dass King-Kong um die Ecke schlurft und möglicherweise noch nicht gefrühstückt hat. Es gab hier allerdings schon einige Stellen, die eine Sicherung durchaus vertragen hätten, denn links ging es überall gut 100 Meter steil in den Abgrund.

Landschaftsbild, Levada Do Curral, Madeira

Eine kleine Obst-Plantage auf dem Weg und immer wieder vorbeikommende Einheimische haben mich aber vorerst zum Weitergehen animiert…

Landschaftsbild, Levada Do Curral, Madeira

… und ich wurde mit wunderschönen Ausblicken belohnt. An den meisten Stellen war der Levada auch noch gesichert, bis dann…

Landschaftsbild, Levada Do Curral, Madeira

… mein persönlicher "point of no return" kam. Auf dem Bild erkennt man es nicht so richtig, aber links flacht das Gelände nicht etwa ab, sondern im Gegenteil ging senkrecht 100 Meter steil nach unten. Ausrutschen war also nicht angebracht. An solchen Stellen überlege ich auch nicht, ob ich es irgendwie noch vorwärts schaffe, sondern vielmehr ob ich es auch wieder zurück schaffen würde (in den Bergen auch immer schön runterschauen, denn der Rückweg ist für Schwindel-Anfällige deutlich schwieriger). Da ich über den Levada im Vorfeld einiges gelesen hatte, wusste ich ja, dass ich in jedem Fall zurück musste und das Ende des Levadas sowieso nie erreichen würde.

Wie es dann noch weiter geht, sieht man in diesem älteren Video von 2008. Ich verurteile sowas nicht, jeder hat seine eigenen Grenzen. Allerdings muss man dann auch die Verantwortung tragen können, wenn man den Abgang macht:

Korrektur bei Komoot?

Zurück in der Heimat wollte ich bei Komoot sofort eine Korrektur eintragen, damit sich keiner unvorbereitet auf den Weg macht. Komoot verweist allerdings auf OpenStreetMaps als Datenlieferant. Bei OpenStreetMaps kann man zum Glück auf der Karte auch unregistriert und nerdfrei einen Hinweis hinterlassen, der dann von den OSM-Mappern eingebaut werden kann.

Eintrag eines Notes bei OpenStreetMaps

Fazit: Immer hübsch vorsichtig, denn das Smartphone ist kein Rettungsseil. Außerdem habe ich anschließend noch eine weitere Wanderung auf einem touristisch vermarkteten Levada gemacht, der ähnlich alpin und spektakulär, aber auch durchgehend gesichert war. Von daher muss man sich sowas nicht antun, wenn es in erster Linie um das Natur-Erlebnis geht …

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