The ItaloRack: Mein erstes Maker-DIY-Möbel-Dings

05.02.2016

Die inspirierendsten Web-Lösungen kommen oft aus einer ganz unerwarteten Richtung. Zum Beispiel vom Metall-Handwerk.

Die Verbindung von Web-Technologie mit realen Gegenständen finde ich immer extrem spannend, vor allem, wenn es um das Customizing von Produkten geht. Jetzt werden die meisten entweder an den hippen 3D-Druck oder an den simplen Farb-Konfigurator denken. Neulich bin jedoch auf einen Mittel-Weg gestoßen, der mich in mehrere Hinsicht beeindruckt hat.

Der ItaloRack

Mein aktuelles Projekt heißt Bad-Renovierung und zu meinem Bad fehlte mir noch ein Magazin-Ständer mit Ablagemöglichkeit. Nachdem ich Ebay, Amazon und Ikea erfolglos durchstöbert hatte, entwickelte sich bei mir eine eigene Vorstellung von einem Ideal-Design. Als Material konnte ich mir Metall gut vorstellen, also bin ich auf die Suche nach Metall-Handwerkern im Netz gegangen.

Tatsächlich gibt es diverse Metall-Verarbeiter, bei denen man eigene (einfache) Zuschnitte und Kantungen (Biegungen) zusenden und sich dann liefern lassen kann. Allerdings ist meist ein CAD-Modell erforderlich. Nachdem ich mich etwa zwei Stunden lang mit zwei Online-Diensten für CAD-Modelle rumgequält hatte, wollte ich schon aufgeben. CAD muss man erst einmal lernen und für meine simplen Anforderungen war das ein klares Über-Engineering. Wohl auch deshalb dürfte der 3D-Druck erst einmal in der Nerd-Nische verharren.

Dann bin ich aber doch noch auf einen Metall-Anbieter gestoßen, der ein perfektes Online-Tool anbietet. Nach kaum mehr als zehn Minuten war mein ItaloRack fertig:

Der ItaloRack Der ItaloRack, eher ein Prototyp als ein Möbel-Stück, weil die scharfen Metall-Kanten doch eine ganz schöne Verletzungsgefahr darstellen

Abgesehen davon, dass dieser zeitlose Design-Klassiker natürlich in jedes Badezimmer gehört, kann man sich als Produktmanager auch einiges in Sachen Problemlösungs-Kompetenz von Bestell-Dein-Blech abschauen…

Die Online-Lösung von bestell-dein-blech.de

Der Kern des Online-Dienstes bestell-dein-blech.de ist ein Zeichen-Tool, das jeder bedienen kann, der eine Maus besitzt. Im ersten Schritt kann der Nutzer auf einem leeren Karo-Papier mit der Maus eine völlig freie Linien-Skizze anfertigen. Das Programm zeigt die jeweiligen Winkel an:

Eine einfache Skizze der Blech-Form

In den nächsten Schritten kann der Nutzer die Maße des Blechs angeben und noch einmal die Winkel korrigieren:

Die Bemaßung der Form-Skizze

Abschließend wird aus den Angaben ein 3D-CAD-Modell errechnet und dem Nutzer zur Kontrolle angezeigt:

Ein CAD-Modell auf Basis der Skizze

Online-Lösungen von Handwerks-Betrieben

Was auf dem ersten Blick sehr einfach wirkt, dürfte in der Entwicklung sehr kosten- und arbeitsintensiv gewesen sein. In der Firmen-Geschichte von bestell-dein-blech wird von einer zweijährigen Entwicklungsarbeit gesprochen. Offenbar hat die Agentur Aufwind die Individual-Entwicklung geleistet. Solche doch recht komplexen Individual-Entwicklungen sieht man sonst eher bei Startups.

Auch wenn bestell-dein-blech vermutlich nichts mit den hippen Startup-Szenen von Berlin, München oder Hamburg zu tun hat, sondern aus dem vermeintlich konservativen Handwerk kommt, ist der Service ein tolles Gründungs-Projekt und ein spannendes Beispiel dafür, wie man mit digitaler Technologie neue kundenorientierte Lösungen für reale Produkte entwickeln kann. Vergleicht man es mit anderen Angeboten in dem Bereich, dann ist die Usability und User Experience bei einer gleichzeitig recht großen Gestaltungsmöglichkeit wirklich vorbildlich. Auch die Preise sind für ein individuelles Produkt fair, und der Dienst ist zumindest für den Bau eines Möbel-Prototypen perfekt, solange der Prototyp nur aus Metall und einfachen Formen besteht.

Nicht zuletzt ist auch die Organisationsform spannend: Treibende Kraft hinter dem Projekt ist die Baublechnerei Mathias Dörr. Die vermutlich hohen Kosten für die Individual-Entwicklung mögen ein Grund dafür gewesen sein, das Projekt als Netzwerk für mehrere Handwerks-Betriebe aufzulegen, und nicht als Service eines einzelnen Betriebes. Lokale Produktion ist also auch hier Trumpf.

Eine dezentrale DIY-Möbel-Fabrik?

Ich habe mir bei dem Dienst die Frage gestellt, inwieweit sich das Prinzip noch ausbauen lässt: Wenn man das Zeichen-Tool erweitert und ggf. weitere Materialien und Handwerksrichtungen mit einbezieht (Holz, Glas, Plastik), dann könnte man sich eine DIY-Möbel-Fabrik vorstellen, die auf einem Netzwerk von Handwerksbetrieben beruht. Man könnte noch weitergehen und gute DIY-Designs in Serie herstellen und die Produkte in Zusammenarbeit mit den DIY-Designern über einen eigenen Shop und einer Marke vertreiben. Eine Art DaWanda für Möbel-Designs mit dezentraler Produktion und Förderung des lokalen Handwerks. Klar, dafür wären große Investitionen nötig, und vermutlich wäre die Sache deutlich komplizierter, als man sich gerade vorstellt. Aber spannend wäre es schon …

Wenn du ein Web-Projekt von A-Z erstellen willst, findest du im Themenüberblick viele Artikel zu jedem Schritt.

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