20 Flat-File-Systeme im Test

07.12.2015 | Code

CMS ohne Datenbank: Mit Flat-File-Systemen schnell und einfach Webseiten bauen. Eine Übersicht über die besten Lösungen.

Flat-File-Systeme sind seit einigen Jahren wieder sehr en vogue. Und sie haben unbestreitbar ihre Vorteile:

  • Ein Flat-File-CMS braucht keine Datenbank und schont damit vor allem kleine Hosting-Pakete.
  • Live-Gänge, Umzüge oder Backups sind mit Flat-File-Systemen per Copy & Paste schnell erledigt. Wer schon mal mit Wordpress umziehen musste, weiß das sehr zu schätzen.
  • File-basierte Systeme sind in der Regel sehr schnell und deutlich unkomplizierter in der Entwicklung.

Natürlich gibt es auch Grenzen: Bei einem groß angelegten Multi-User-Blog mit einer Shop-Erweiterung und diversen Feature-Wünschen würde man sicher nicht auf ein Flat-File-System zurückgreifen. Umgekehrt bekomme ich allerdings immer Bauchschmerzen, wenn ich One-Pager, Portfolio-Webseiten, kleine Webauftritte oder einfache Blogs mit Wordpress realisiert sehe. Denn gerade für solche Fälle sind Flat-File-Systeme wie geschaffen. Allerdings muss man sich klar machen, dass sich die meisten Flat-File-CMS an Entwickler richten und nur einen begrenzten Kosmos an fertigen Themes, Plugins oder Erweiterungen anbieten.

Wer es noch einfacher sucht, der kann sich die Liste von Content-Management-Systemen anschauen, die statische HTML-Seiten nachträglich editierbar machen. Außerdem gibt es auf cmsstash zahlreiche Reviews (im Aufbau) und Filter-Funktionen, um ein passendes CMS zu finden (zum Beispiel flat-file-Systeme oder Systeme für statische HTML-Seiten).

Flat-File-Systeme: Eine Übersicht

Das Angebot an Flat-File-Systemen ist inzwischen fast unüberschaubar: Es gibt kommerzielle Lösungen wie Grav, Kirby oder Statamic, mit denen sich ganze Shops und Feedback-Foren entwickeln lassen. Es gibt sehr einfache Open-Source-Systeme wie HTMLy, die für den schnellen Blog gedacht sind. Oder es gibt noch puristischere Systeme wie Pico, bei denen man mit Markdown-Files und FTP-Uploads arbeitet.

In der folgenden Tabelle sind zahlreiche Flat-File-Systeme mit ein paar Eigenschaften aufgeführt, die für die erste Auswahl wichtig sein könnten. Ich habe die ursprüngliche Tabelle aus dem Jahr 2014 im Dezember 2015 aktualisiert. Dabei habe ich die meisten neuen Systeme auch kurz mal installiert. Dass im Jahr 2015 nur noch Bludit als Neuling hinzugekommen ist (die meisten neuen Systeme sind 2013 und 2014 entstanden), dürfte ein deutliches Zeichen für einen abklingenden Hype oder eine Marktsättigung sein. Bludit ist allerdings eine echte Bereicherung. Die Angaben "Start" und "Zuletzt" können einen Anhaltspunkt liefern, wie jung, aktiv und beständig das System ist. Weiter unten gebe ich nochmal eine Auswahl-Hilfe und stelle ausgewählte Systeme detaillierter vor.

Wenn du noch ein paar Tipps für die Erstellung von Webseiten suchst, dann könnte die Serie "Wie eine Webseite entsteht: Von er Idee bis zum Launch" für dich interessant sein.

Name Start Zuletzt Kosten Sprache Besonderheiten
Baun 2014 03.2015 frei PHP Mit Markdown und Twig
Blozilla 2014 10.2015 frei PHP Lief beim Test nicht…
Bludit 03.2015 12.2015 frei PHP Auch für Blogs geeignet
Dropplets 2013 09.2013 frei PHP Markdown-Files einfach per Drag&Drop integrieren
Feindura 2010 09.2014 frei PHP Mit HTML-Editor
FlatPress 2007 06.2015 frei PHP Mit HTML-Editor
gpEasy 2009 12.2015 frei PHP Mit WYSIWYG-Editor
Grav 2014 12.2015 frei PHP Open-Source-Profi-System
Herbie 2014 09.2015 frei PHP Markdown, Twig und Yaml
HTMLy 2014 09.2015 frei PHP Auf Blogs spezialisiert
Kirby 2009 11.2015 17$ / 89$ PHP Profi-System mit freier Test-Version
Monstra 2012 11.2015 frei PHP Mit XML-Files
Nesta 2010 03.2015 frei Ruby Markdown und Textile
la.Plume 2008 02.2015 frei PHP Mit HTML-Editor
nibbleblog 2009 12.2015 frei PHP Basiert auf XML-Files
Phile 2013 08.2015 frei PHP Markdown und Twig
Pico 2013 12.2015 frei PHP Markdown und Twig
Pulse 2012 (?) 9.2015 29$ / 75$ PHP Profi-System
Razor 2008 02.2015 frei PHP In-Page-Editing
Singularity 2012 2012 frei PHP Für Bastler ;-)
Stacey 2009 11.2011 frei PHP Für Bastler ;-)
Statamic 2012 12.2015 29$ / 99$ PHP Vielseitiges & schlankes Profi-System
TextPress 2012 03.2014 frei PHP Nutzt Git für Artikel-Publikation
Sphido 03.2014 12.2015 frei PHP Mit Markdown
WonderCMS 2012 03.2014 frei PHP Mit InPage-Editing
Yellow 2013 12.2015 frei PHP Markdown-Editor in Website integriert

Empfehlungen schnell und kurz

Um euch die Entscheidung ein wenig zu vereinfachen, gebe ich mal ein paar ganz subjektive und persönliche Empfehlungen ab:

  • Wenn du den ganzen Tag die Console offen hast, dann nimm Grav.
  • Wenn du professionell für einen Kunden entwickeln willst, dann nimm Grav, Kirby, Statamic oder Pulse.
  • Wenn du wunschlos glücklich werden willst, dann nimm Statamic, Kirby oder Grav.
  • Wenn du schnell mal einen simplen Standard-Blog bauen willst, dann nimm HTMLy oder Bludit.
  • Wenn du die One-Click-Lösung suchst und dich nicht um sonderbare Technik scherst, dann nimm Nibbleblog oder Monstra.
  • Wenn du deinen Blog selbst anpassen willst und Anfänger in der Entwicklung bist, dann nimm doch lieber HTMLy.
  • Wenn du Purist bist und mit Markdown-Files textest, dann nimm Pico, Herbie oder Baun.
  • Wenn du einen statischen Webauftritt brauchst und auf In-Page-Editing stehst, dann versuch es mit Razor.
  • Wenn du ein bisschen experimentieren willst und Inspiration suchst, dann versuch es mal mit Yellow.

Für die Profis: Statamic, Grav, Kirby und Pulse

Wer Webseiten für Kunden baut, sollte auf solide Systeme und langfristig angelegte Projekte setzen. Derzeit sehe ich in dieser Liga eigentlich nur Statamic, Kirby, Grav und Pulse. Grav ist Open Source, alle anderen sind kostenpflichtig.

Statamic

Ich selbst arbeite seit 2013 mit dem kostenpflichtigen Flat-File-CMS Statamic und kann das System uneingeschränkt empfehlen. Statamic ist nutzerfreundlich, schlank und dennoch enorm feature-mächtig. Selbst Shops und Feedback-Foren lassen sich mit Statamic realisieren. Es gibt zahlreiche Ressourcen für Statamic und ein Showcase-Projekt, das einige der etwa 5.000 Statamic-Seiten vorstellt. Nicht zuletzt ist Statamic enorm beständig: Seit 2012 entwickeln die drei Macher das System kontinuierlich weiter. Anfang 2016 wurde die komplett neue Version "Statamic 2" veröffentlicht.

Das Flat-File-System Statamic

Mit der neuen Version wurde Statamic von dem bekannten Micro-Framework "Slim" auf das PHP-Framework Laravel umgestellt. Außerdem gibt es neue Features wie einen Multi-Language-Support, Drag&Drop-Pages, einen Fieldset-Builder und einen One-Click-Installer. Der ehemals kostenpflichtigen Form-Builder und die Suchfunktion wurden in die neue Version integriert. Das ganze hat allerdings seinen Preis: Statamic 2 kostet 199 Dollar pro Installation. Der höhere Preis ist auch ein Schritt hin zu einem echten Vollzeit-Startup, das sich mit seinem Produkt noch stärker an professionelle Kunden richtet. Ein Vorteil von Statamic 2: Man kann die Version kostenlos runterladen und testen, bevor man eine Lizenz erwirbt.

Kirby

Die Professionalisierung von Statamic könnte Kirby in die Hände spielen, denn Kirby ist nicht nur in der Entwicklung enorm beständig, sondern auch in der Strategie und im Preis stabil: Mit 17$ oder 89$ hat sich Kirby bislang knapp unter Statamic positioniert und wird demnächst diese Zielgruppe möglicherweise alleine bedienen.

Das Flat-File-System Kirby

Kirby ist ohnehin ein sympathisches Projekt: Mit dem Startpunkt in 2009 gehört es zu den Vorreitern moderner Flat-File-Systeme. Außerdem kommt Kirby aus dem schönen Mannheim und ist damit ein echtes Regional-Produkt. Auch Kirby hat im November 2015 einen großen neuen Release veröffentlicht, sodass man sich das neue System auf jeden Fall mal anschauen sollte.

Grav

Bleibt noch das Flat-File-CMS Grav, soweit ich sehe das einzige Open-Source-System, das in der Liga von Statamic und Kirby mitspielt. Grav hat zu Beginn für viel Furore gesorgt und die Entwickler-Gemeinde ist offenbar immer noch sehr aktiv (Github-Graphs). Initiator von Grav ist der RocketTheme-Gründer Andy Miller.

Das neue Flat-File-CMS Grav

Durch den RocketTheme-Hintergrund bietet Grav eine recht beeindruckende Bandbreite an Themes und Plugins. Und auch der Feature-Umfang von Grav ist recht mächtig. Eine Besonderheit von Grav ist das Konzept der modularen Seiten, bei dem sich eine Seite wie beim Lego aus mehreren Unterseiten (Modulen) zusammensetzt. Mit dem Konzept lassen sich zum Beispiel komplexe One-Pager bauen. Ich habe das Konzept mal ausprobiert und mit SWAP ein Portfolio-Theme entwickelt. Allerdings hat Grav auch noch ein paar Schwachpunkte: Die Module lassen sich in der Admin-board nicht sinnvoll sortieren, sodass man am Ende die Ordner umbennen muss. Auch insgesamt scheint das Admin-Board eher von Entwicklern für Entwickler konzipiert worden zu sein. Unerfahrenere Autoren tuen sich mit dem Feature-Overkill im Admin-Board nach meiner Erfahrung etwas schwer. Das Team von Grav arbeitet aber (seit längerem) an einer Pro-Version des Admin-Boards, das dann sicherlich einige Verbesserungen bietet.

Pulse

Mit PulseCMS habe ich bislang noch keine Erfahrung, daher kann ich dazu nichts sagen. Es gibt allerdings einige glühende Anhänger des Systems.

Pulse-CMS

Im Dezember 2015 haben die beiden Macher Pulse an Michael Frankland verkauft. Michael hat mit DropkickCMS bereits ein eigenes CMS-Projekt realisiert, von daher darf man gespannt sein, wie sich Pulse mit ihm weiterentwickelt.

Einfache Blogs mit HTMLy

Das einfachste ist immer am schwierigsten zu finden: Für mein Projekt Cyclary war ich auf der Suche nach einem ultra-simplen FlatFile-Blog, das mit der Installation sofort fertig ist, möglichst keine Datenbank verbraucht, vom Design in 10 Minuten angepasst werden kann und bereits die Standard-Funktionen wie Share, RSS, Kommentare etc. mitliefert. Und das Flat-File-Blogsystem HTMLy macht genau das: Runterladen, ohne große Einarbeitung anpassen, hochladen, Punkt. Die damit realisierte Seite blog.cyclary.com war nach etwa zwei Stunden fertig. Das war im Sommer 2014, ich kann nicht sagen, was sich inzwischen alles geändert hat, auf jeden Fall wird es nach wie vor aktiv weiterentwickelt, sodass ich es weiterhin wärmstens empfehle.

Das super einfache Flat-File-Blog-System HTMLy

Was HTMLy so erfrischend macht: Es lässt die ganze Rocket-Science einfach weg. Die Templates funktionieren mit stink normalem PHP, das CSS liegt in einem einzigen File, Struktur und Architektur sind völlig selbsterklärend, unter "System" liegen gerade mal fünf Files, von denen die meisten ganz klassische Funktionen enthalten. Nur zwei Dateien enthalten Klassen, sind also objektorientiert. Damit ist das System nicht nur für Retro-Puristen geeignet, sondern auch für Anfänger und für Hobby-Coder. Denn kompliziertere Konzepte wie Objekte, Klassen, Namespacing oder MVC muss man eben auch erst einmal verstehen, bevor man damit arbeiten kann.

Neuling Bludit: Das beste aus zwei Welten?

Als einziges neues Flat-File-System ist im Jahr 2015 Bludit hinzugekommen. Nachdem ich es mir erst im Nachgang heruntergeladen habe, gehört es direkt zu meinen Lieblingssystemen. Die überzeugenden Punkte: Um Bludit zu installieren, muss man im Installations-Formular nur ein Passwort und eine Mail eingeben. Bei dem ganzen Einstieg nimmt Bludit den Anwender dann genauso an die Hand, wie man es sich immer wünscht. Außerdem gefällt mir das Bild-Management ausgesprochen gut: Man kann die Bilder einfach hochladen und dann per Button in den Artikel integrieren. Schließlich machen diverse Themes und Plugins das System komplett.

Das Beste aus zwei Welten: Bludit

Erst bei der Recherche ist mir aufgefallen, dass Bludit vom gleichen Macher wie Nibbleblog stammt. Das aus Argentinien stammende Nibbleblog hatte mir aufgrund seiner Schlichtheit und seiner Nutzerfreundlichkeit schon immer gut gefallen. Allerdings war ich von der Speicherung der Inhalte als XML-File nie so begeistert. Bludit speichert die Files jetzt als txt-File ab. Außerdem arbeitet Bludit standardmäßig mit einem normalen WYSIWYG-Editor, was dem Autor die Umstellung auf Markdown ersparrt. Damit scheint Bludit die Vorteile des etwas älteren Nibbleblog-Systems mit den Vorteilen moderner Flat-File-Systeme zu verbinden und das alte Versprechen "runterladen, installieren, loslegen" tatsächlich zu halten. Schaut es euch auf jeden Fall mal an…

Yellow, Pico & Co.

Von den vielen weiteren Systemen nutze ich selber keines aktiv. Spannend fande ich jedoch zum Beispiel Yellow. Yellow kommt aus Schweden. Das alleine ist noch nicht ungewöhnlich, ungewöhnlich ist jedoch die Machart: Bei Yellow kann man sich einloggen und die Seiten direkt über einen kleinen aufpoppenden Markdown-Editor bearbeiten. Angesichts der vielen Lösungen in der Tabelle oben, die nichts weiter machen als das 19. Flat-File-CMS nach dem gleichen Muster zu erstellen, ist das auf jeden Fall eine neue und interessante Variante. Für sehr einfach gehaltene Webauftritte ist das sicher die denkbar nutzerfreundlichste und intuitivste Lösung. Von daher verdient das Projekt auf jeden Fall Beachtung. Nicht jedermanns Sache dürfte allerdings sein, dass man sich einen User per Console anlegen muss.

Yellow CMS: Ein spannendes Flat-File-Experiment

Das Flatfile-System Pico war mal sehr beliebt und repräsentiert ein Flat-File-System für absolute Puristen: Man schreibt den Content am besten per Markdown und lädt die Seiten per FTP hoch. Es gibt zwar ein Admin-Plugin mit einem Markdown-Editor. Das hat bei mir im ersten Versuch allerdings nicht funktioniert.

Funktioniert hat leider auch Blozilla nicht beim ersten Versuch, obwohl der versprochene Visual-Page-Builder ganz reizvoll aussah. Das System hat bei mir aber haufenweise Fehlermeldungen produziert. Ähnlich erging es mir mit Sphido, das ich nicht auf Anhieb zum Laufen bekommen habe. Das muss aber nichts heißen, da ich recht ungeduldigt bin und nicht gern lange bastel. Wer bei den Puristen nach Alternativen sucht, kann auf jeden Fall noch Herbie, Phile oder Baun ausprobieren: Alle scheinen ein ähnliches Konzept zu verfolgen.

Bleiben noch die Systeme mit etwas längerer Entwicklungs-Historie: gpEasy, Monstra und Nibbleblog sind schon einige Jahre auf der Welt und liefen bei meinen früheren Tests immer stabil. Wobei gerade Nibbleblog und Monstra mit XML als File-Basis eine gewisse Besonderheit darstellen.

Ebenfalls etwas in die Jahre gekommen ist RazorCMS, ein Flat-File-System, das komplett auf In-Page-Editing setzt. Es wirkt ein wenig überladen, aber grundsätzlich ist der Ansatz erst einmal spannend. Bis vor kurzem gab es mit TidyCMS noch ein System für statische HTML-Seiten. Mit TidyCMS konnte man also ein CMS hinter bestehende HTML-Seiten pflanschen und die Seiten dann per In-Page-Editing bearbeiten. Sowas ist schon länger als SAAS-Lösung bekannt, Tidy war aber ein lokal nutzbares CMS. Leider hat Tidy die lokal nutzbare Version eingestampft und baut jetzt mit Tidy2 das Jimdo für Flat-File-Seiten. Na dann mal sehen…

Dieser Beitrag gehört zu der Serie "CMS". Das sind alle Artikel der Serie:

Wenn du ein Web-Projekt von A-Z erstellen willst, findest du im Themenüberblick viele Artikel zu jedem Schritt.

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