TYPEMILL: Ein Flat-File-CMS für Autoren

Von: Sebastian Schürmanns

Das schlanke Flat File CMS TYPEMILL legt einen besonderen Fokus auf die Bedürfnisse von Autoren und soll in Zukunft zu einem Content Publishing und Monetization System für Micro-Publisher ausgebaut werden.

Startseite des Flat-File-CMS Typemill

Content Management Systeme gibt es mehr als genug. Das ist richtig. Doch hätte man sich mit dieser Aussage immer abgefunden, dann wären so fantastische CMS wie Craft oder Statamic wohl nie entstanden. Auch TYPEMILL hat sich von dieser Aussage nicht abschrecken lassen. Denn kein einzelnes CMS kann die unterschiedlichen Bedürfnisse und Anforderungen aller Nutzergruppen gleichermaßen perfekt bedienen.

Viele Content Management Systeme bedienen in erster Linie die Bedürfnisse von Entwicklern, Adminstratoren oder Web-Designern. TYPEMILL geht einen anderen Weg und räumt den Bedürfnissen von Autoren und ihren Texten oberste Priorität ein:

  • TYPEMILL legt mit einem eigenen Visual-Markdown-Editor sehr großen Wert auf eine maximal einfache Erstellung von Seiten und Inhalten.
  • TYPEMILL ist mit seinen textlastige Webseiten eher eine Entsprechung zum Buch und eignet sich weniger für design-orientierte Corporate Websites oder news-orientierte Blogs.

Der dritte Aspekt ist noch Zukunfts-Musik: Derzeit entwickelt sich TYPEMILL zu einem schlanken Content Management System (CMS). In der mittelfristigen Perspektive soll aus TYPEMILL jedoch ein schlankes Content Publishing und Monetization System (CPMS) ähnlich wie das kürzlich angekündigte Newspack von WordPress werden. Aber erst einmal ein Blick auf die Autoren-Features ...

Die Autoren-Features von TYPEMILL

TYPEMILL befindet sich in der Entwicklung und viele Features sind noch unvollständig. Die Autoren-Oberfläche hat jedoch absoluten Vorrang und nimmt langsam Gestalt an. Kern ist ein Visual Editor, der auch unerfahrenen Autoren dabei hilft, Inhalte mit der Auszeichnungssprache Markdown zu erstellen. Markdown findet immer mehr Verbreitung und ist bei sogenannten Flat-File-Systemen Standard. Viele Autoren sind jedoch an WYSIWYG-Editoren wie TinyMCE gewöhnt und scheuen sich vor einer Wiki-ähnlichen Sprache wie Markdown. TYPEMILL bietet daher einen WYSIWYG-Modus im Stil eines Block-Editors an, mit dem die Autoren Inhalte weitestgehend ohne Markdown-Kenntnisse erstellen können, gleichzeitig die Markdown-Syntax jedoch sehen und erlernen.

Auch wenn der Visual-Editor noch nicht ganz fertig ist, bietet er schon einige nette Features an. Beispielsweise ist das Bild-Management bei vielen Content Management Systemen aus Autoren-Sicht eher unkomfortabel. Bei TYPEMILL gibt es einen vergleichsweise einfachen und intuitiven Weg, Bilder (oder auch YouTube-Videos) in eine Seite zu integrieren:

Das Bild-Management von Typemill

Auch die Erstellung und Publikation neuer Seiten ist möglichst einfach und selbsterklärend: Über eine stetig präsente und interaktive Navigation können Autoren einzelne Seiten und ganze Inhalts-Strukturen erstellen und per Drag & Drop sortieren, ohne die aktuelle Seite zu verlassen. Rote Markierungen in der Navigation kennzeichnen Seiten, die entweder unveröffentlicht sind oder sich gerade in Überarbeitung befinden. Seiten müssen bei einer inhaltlichen Überarbeitung auch nicht depubliziert werden. Stattdessen kann man die Inhalte komplett neu schreiben, während die alte Version bis zur Publikation der Änderungen online bleibt. All das kann über die Statusleiste am Fuß des Bildschirms gesteuert werden.

TYPEMILL ist für eher buchartige und thematisch geschlossene Webseiten gedacht. Beispiele sind Handbücher, Fach-Inhalte, Manuals, Dokumentationen oder auch Prosa und Lyrik. Blogs oder designlastige Corporate Websites sind (derzeit noch) nicht möglich. Auch diese Ausrichtung hat ihre Gründe ...

SEO, Blogs und Bücher

Wer heute im Web publiziert, nutzt dazu entweder einen Blog oder eine klassische Webseite mit entsprechend aufwändigem Design. So gut wie alle Content Management Systeme sind auf diese beiden Website-Typen ausgelegt. Für klassische Autoren sind beide Varianten jedoch nicht immer geeignet:

  • Klassische Webseiten sind auf Design, Präsentation, Interaktion, Conversions und ähnliche Aspekte ausgelegt. Es geht um Content Management und Marketing und weniger um die Autoren und ihre Texte.
  • Blogs stehen für zeitbezogene Inhalte und folgen eher dem journalistischen Prinzip des "publish or die".

Ich persönlich halte die Fokussierung auf Blogs und auf zeitbezogene Inhalte im Web nicht immer für angemessen. Denn neben den Zeitungen und Magazinen gibt es schließlich auch noch die Bücher mit ihren eher "zeitlosen" Texten. Nicht zuletzt hat auch Google eine andere Ausrichtung: News werden dort separat unter Google News aufgelistet und dieser Bereich spielt eine eher untergeordnete Rolle. Die eigentlichen Suchergebnisse werden dagegen nicht nach ihrem News-Gehalt, sondern nach ihrem Informations-Gehalt und ihrer Qualität bewertet. Die entscheidende Frage ist, ob die Informationen den Intentionen der Leser entsprechen.

Es gibt eine interessante Content-Strategie, die kürzlich vom Searchmetrics-CEO Marcus Tober auf den Punkte gebracht wurde: Specialize, update and delete. Die Philosophie von TYPEMILL entspricht dieser Empfehlung weitgehend: Wie beim Schreiben eines Buches sollen sich die Autoren mit TYPEMILL auf ein spezielles Thema konzentrieren und die Qualität der Texte durch iterative Überarbeitung immer weiter steigern. Weg von der Masse, weg von dem Zeitdruck, hin zu mehr Qualität und Klasse.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Es geht nicht um die Suchmaschinen-Optimierung, sondern um die Qualität der Texte. Der Erfolg stellt sich dann oftmals von alleine ein. Mit CMSstash nutze ich TYPEMILL auch für ein eigenes Publikationsprojekt. Die Seite ist im ersten Jahr um 400 Prozent gewachsen und etabliert sich langsam als zentrale Anlaufstelle zum Thema Content Management Systeme.

Content Publishing und Monetarisierung

Im Januar 2019 haben WordPress.com und Google in Kooperation mit anderen Organisation das neue Toolkit Newspack angekündigt. Newspack soll eine "open-source publishing and revenue-generating platform for news organizations" werden. Die genauen Motive seien dahingestellt, klar ist aber, dass Google und WordPress mit Newspack ein Kern-Problem kleiner Publisher aufgreifen. Denn für diese Zielgruppe besteht die Herausforderung nicht in der Auswahl eines Content-Management-Systems, sondern im Aufbau eines nachhaltigen Geschäftsmodells. Die Content-Monetarisierung haben sich auch Projekte wie Steady aus dem Umfeld der Krautreporter oder Substack für Newsletter auf die Fahnen geschrieben.

Für TYPEMILL hatte ich ursprünglich ein ähnliches Fern-Ziel formuliert und sogar die gleiche Begrifflichkeit verwendet: TYPEMILL soll sich von einem CMS hin zu einem Content Publishing and Monetization System (CPMS) entwickeln. Allerdings nicht für Newspublisher, sondern für Autoren von Fach-Informationen und Büchern. Angedacht sind ein Mitglieder-Bereich sowie verschiedene Microservices zur Refinanzierung wie zum Beispiel kostenpflichtige Dienstleisterverzeichnisse, Seminaranzeigen oder Stellenangebote. Ein weiteres Ziel ist die automatische Konvertierung der Webseite in E-Book-Formate und möglicherweise sogar in PDFs und Print-Bücher. Idealerweise sogar mit Anschluss an einen zentralen Buchshop als Vertriebsplattform. Alles noch Zukunfts-Musik für das Jahr 2020 und später. Aber die bisherige Entwicklung von Typemill gibt Anlass zum Optimismus.

Einfach ausprobieren

TYPEMILL ist noch lange nicht fertig und zahlreiche Standard-Features fehlen derzeit. Wer es trotzdem schon einmal ausprobieren will, kann das kleine System auf der TYPEMILL-Webseite oder über GitHub herunterladen oder TYPEMILL auf Twitter folgen.

Zuletzt aktualisiert: 31.01.2019